Weihnachtsgruß des Bürgermeisters

Meine sehr geehrten Damen, meine Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

 

"postfaktisch" ist das Wort des Jahres 2016. Die Gesellschaft für deutsche Sprache sucht seit einigen Jahrzehnten regelmäßig ein Wort, gelegentlich sogar einen Satz, und versucht darüber, sprachlich auf das zu Ende gehende Jahr zurückzublicken. In den vergangenen Jahren lauteten die Wörter des Jahres mal "Fanmeile", mal "Abwrackprämie", "Wutbürger" oder "Stresstest" - in diesem Jahr nun also "postfaktisch". Der Begriff bezeichnet ein politisches Handeln und Denken, bei dem Fakten nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Meinungen und Tatsachen verschwimmen, die Errungenschaften der Aufklärung bleiben auf der Strecke.

 

Und in der Tat lassen auch mich gelegentlich die Meldungen des jetzt zu Ende gehenden Jahres 2016 ratlos zurück: Großbritannien stimmt für einen EU-Austritt (nebenbei: "Brexit" landete bei der Wahl zum Wort des Jahres auf Platz 2), in der Türkei nutzt ein - sich im wahrsten Sinne des Wortes als solcher gebärender - Machthaber einen Putsch gegen die Demokratie, um die demokratische Opposition auszuschalten, Staaten wie Ungarn oder Polen, die noch vor einem guten halben Jahrhundert ihr Volk hinter einem eisernen Vorhang einschlossen, bauen nationalistische Grenzen zu europäischen Nachbarn auf. Und in den Vereinigten Staaten von Amerika gewinnt ein Kandidat die Präsidentschaftswahl, der im Wahlkampf zuvor die zivilisierten Werte der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit, der Gleichberechtigung zwischen Rassen und Geschlechtern nahezu täglich mit Füßen trat. Die Liste ließe sich mit Blick auf das vor uns liegenden Jahr fortsetzen: In Italien wird über den Jahreswechsel eine neue Regierung gesucht, in den Niederlanden, in Österreich, in Frankreich - und auch hier bei uns - stehen Präsidentschafts- und/oder Parlamentswahlen mit ungewissem Ausgang an.

 

Niemand weiß, ob das jahrzehntelang stabil funktionierende Miteinander von Staaten und Völkern seine Statik verliert. Dabei ist es doch gerade diese Statik gewesen, die auch uns, den in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Menschen, eine im kommenden Jahr bereits 72 Jahre lang andauernde Friedensperiode geschenkt hat. Nie zuvor in der langen Geschichte der Deutschen blieben nahezu alle lebenden Generationen von Tyrannei und Krieg verschont. Wir leben in sicheren Zeiten. Eigentlich. Denn wir leben auch in unsicheren, in postfaktischen Zeiten.

 

Für die Verantwortlichen in Europa, in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen und selbstverständlich auch in der Gemeinde Titz kann es aber angesichts dieser Entwicklungen nicht ausreichen, sich kopfschüttelnd über intolerante, menschenverachtende oder demokratiefeindliche Entwicklungen zurückzuziehen und solchem Treiben wort- und tatenlos zuzusehen. Die, die in der Verantwortung stehen, müssen zuhören und erklären können, sie müssen Fehlentwicklungen der Institutionen - denn auch diese gibt es! - erkennen lernen und gegensteuern. Und sie müssen die Werte, die unsere aufgeklärte Gesellschaft über so viele Jahrzehnte aufgebaut und gestärkt haben, (wieder) erkennen und vermitteln. Und sie müssen sie verteidigen: Das Vertrauen in staatliche Institutionen nimmt nun einmal Schaden, wenn die, die dafür zuständig sind, beispielsweise Kriminalität und Extremismus, gleich von wem diese ausgehen, nicht konsequent verfolgen oder wenn die Anerkennung von Lebensleistung nicht die notwendige Wertschätzung erfährt.

 

Dies alles aber darf niemals und niemandem als vermeintliches Alibi dafür herhalten, scheinbares Heil in Hass und Hetze, in Intoleranz und Menschenfeindlichkeit zu suchen. Was insbesondere im vermeintlich - aber nicht tatsächlich - rechtsfreien Raum der so genannten sozialen Medien im Internet abgeht, ist an Geschmacklosigkeit und Widerlichkeit kaum mehr zu überbieten. Gut, das hiergegen Demokraten, gleich welcher weltanschaulichen Ausrichtung, klar Stellung beziehen und eng zusammenstehen. Unsere Demokratie muss wehrhaft und streitbar sein und bleiben!

 

Vergleichen wir die eben beschriebenen Entwicklungen "im Großen", also die auf internationaler oder nationaler Ebene, mit denen in unserer Landgemeinde, so dürfen wir sicher feststellen, dass sich im dörflichen, in unserem gemeindlichen Umfeld anerkennende Wertschätzung, gelebte Nächstenliebe und menschenbejahender Liberalismus im täglichen Miteinander, in der Nachbarschaft, in den Vereinen, in den Schulen und überall dort, wo Menschen bei uns zueinanderkommen und zueinanderfinden, viel unmittelbarer praktizieren und feststellen lassen. Das tut gut: Wir sind nicht provinziell, dennoch ist die Welt hier mehr in Ordnung als anderswo.

 

Dass dem so ist, liegt auch uns besonders an den zahlreichen Menschen, die sich ehrenamtlich und bürgerschaftlich engagieren, in den verschiedenen Interessengruppen, in Betrieben, im Gemeinderat, insbesondere aber in den Vereinen, Bruderschaften, Feuerwehren, etc. Unsere Landgemeinde ist mehr als Titz oder Rödingen, mehr als Hasselsweiler, Jackerath, Ameln, Kalrath, Müntz, Höllen, Gevelsdorf, Hompesch, Spiel, Opherten, Bettenhoven, Sevenich, Ralshoven und Mündt. Diese Ortsteile und damit die gesamte Landgemeinde haben eine gemeinsame Klammer - und diese heißt Engagement. Dieses Engagement ist die beste Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Gemeinde. Hier setzen sich Menschen ein, sei es im Beruf, im Ehrenamt oder einfach in der Nachbarschaft. Hierfür möchte ich herzlich danken!

 

Diese Menschen tragen mit dazu bei, dass sich unsere Landgemeinde in einer guten Verfassung befindet. Seit einigen Jahren steigen unsere Einwohnerzahlen, insbesondere junge Familien wissen unsere Ortschaften zunehmend als attraktive Wohnstandorte zu schätzen. Dies mag auch die Folge der Entscheidungen sein, die der Gemeinderat gerade in den vergangenen Jahren getroffen hat: Mit einer Stärkung der Kinderbetreuung auch schon im Vorschulalter, mit der Gründung der PRIMUS-Schule, über die sich bald auch ein Angebot der Sekundarstufe I in der Titz etablieren wird, mit der Stärkung der Offenen Jugendarbeit hat unsere Landgemeinde mittlerweile Bildung und Familienfreundlichkeit zum "Markenkern" erhoben. Und dies wirkt sich mittlerweile sehr erfreulich aus.

 

Aber auch die Stärkung der Dörfer ist uns weiterhin wichtig: Gemeinsames Ziel der Gemeinde und des örtlichen Bürgervereins "Unsere alte Schule" ist es, im kommenden Jahr unter Einbeziehung der Rödinger Vereine ein Raumprogramm für die zukünftige Nutzung der ehemaligen Schule im Ortsteil Rödingen als Bürger- und Vereinshaus zu entwickeln. In Müntz wird der Vorplatz der Bürgerhalle umgebaut, in Jackerath und Ameln stehen Straßenbaumaßnahmen an, für die Ortschaft Titz wird über einen Architektenwettbewerb nach einer städtebaulich attraktiven Lösung für einen kombinierten Feuerwehr- und Bauhofstandort gesucht. Unsere Landgemeinde entwickelt sich also weiter!

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

 

gönnen wir uns die Ruhe und die Entspannung der letzten Tage des Advents, an den Weihnachtstagen und in der Zeit "zwischen den Jahren", die wir uns verdient haben. Während der Festtage können wir uns gemeinsam mit den Menschen, die uns lieb und wichtig sind, auf uns selbst und unsere Werte besinnen und zwar passend zu dem Fest, das wie kein anderes für Frieden und Mitmenschlichkeit steht.

 

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein frohes Fest und erholsame Feiertage sowie Gesundheit und viel Glück im neuen Jahr 2017!

 

Mit den besten Grüßen

Ihr

 

  

Jürgen Frantzen

Bürgermeister

 

Rathaus in Titz

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